Thursday, April 15, 2010

Bewegung in Fotos darstellen

Autobahntunnel zwischen Messina und Cefalù, Sizilien 2005

Wenn man Bewegungen in Bildern darstellen möchte, geht das eigentlich nur mittels längerer Belichtungszeiten. Durch dieses technische Mittel kann man außerdem Fotos gestalten, die man durch flüchtiges Hinsehen nicht erhält. In jener regnerischen Nacht im Dezember hatte ich auf meinem Beifahrersitz tatsächlich das Gefühl, durch die Tunnel "hindurch zu fallen", was ich versucht habe, auf meinem Foto festzuhalten, außerdem die rasende Zeit und die Ungewissheit dessen, was auf uns zukommt. Es waren ca. 30 Bilder nötig, um dieses eine zu bekommen, was mich zufrieden stellt, auch wenn ich im Nachhinein immer noch Verbesserungspotential sehe. So hätten zum Beispiel die Straße bzw. die weißen Linien auf dem Asphalt noch etwas schärfer dargestellt sein können.

Mit welchen EXIF-Daten das Bild aufgenommen wurde, könnt Ihr wie immer mit dem entsprechenden Plugin nachschauen (siehe dazu auch mein letzter Post). Das Rauschen meiner Nikon D70 wäre sicher geringer ausgefallen, wenn ich damals mit einer niedrigeren ISO-Zahl und dafür mit einer offeneren Blende fotografiert hätte. Aber mittlerweile habe ich ja über vier Jahre mehr Erfahrung mit der Digitalfotografie, jetzt weiß ich es endlich besser. Gut, dass bei solchen eher farblich und graphisch wirkenden Bildern die 100%-Ansicht auf dem Bildschirm nicht wirklich entscheidend ist...

Das zweite heutige Bild geht auf eine Anregung zurück, die ich aus dem Buch "Digitale Naturfotografie in der Praxis" von Fritz Pölking habe, der leider bereits gestorben ist. Beinahe eine Pflichtlektüre für alle Fotografen, nicht nur für Naturliebhaber, denn Pölking zeigt die wesentlichen Punkte, die man heutzutage bei der Digitalfotografie beachten muss. Und er zeigt eben auch, worauf es nicht ankommt, seine seitenfüllend abgedruckten Fotos, die mit verschiedenen Kameras und verschiedenen Auflösungen gemacht wurden, sprechen eine eindeutige Sprache! Seine Erfahrungsberichte und Reisetipps und natürlich seine wunderbaren Tierfotografien sind ein Genuss in diesem Buch. Auch seine Werkstattberichte auf der Internetseite lohnen eine Lektüre.

Die Anregung bestand in einem Bild von Insekten, das mit einer längeren Belichtungszeit aufgenommen worden war. Daran erinnerte ich mich, als ich im Sommer 2009 im Etosha-Nationalpark in Namibia an einem Wasserloch saß und mich ärgerte, als es langsam aber sicher zu dunkel zum Fotografieren wurde. Das Spitzmaulnashorn machte aber auch nicht so sehr viel her, und ich wollte die Kamera schon wegpacken, als mir die Insekten auffielen, die um einen am Wasserloch aufgestellten kleinen Scheinwerfer schwirrten. Ich benötigte fünf Fotos, dann war dieses im Kasten. Nichts wirklich Weltbewegendes, aber eine schöne Wiedergabe der Beobachtung, die man an jedem Sommerabend in der Nähe von starken Lichtquellen machen kann. Aber durch die geschwungenen leuchtenden Linien bekommt auch dieses Bild eine graphische Qualität, und mir gefallen hier besonders die Rauchschwaden, die von der Lampe außerhalb des Auschnitts angestrahlt werden, und die natürlich daher kommen, dass immer wieder Insekten an der heißen Glühbirne verbrennen. Also ist auch die Vergänglichkeit wieder Teil der Aussage, der Tod beim Streben nach Licht und Wärme.

Die meisten meiner Lieblingsfotos sind allerdings klar und scharf und eher konventionell. Diese hier sind die Ausnahmen. Manchmal macht es Spaß zu experimentieren und Fotos von verwischenden Bewegungen zu machen. Aber meiner Meinung nach ist es gerade dabei besonders wichtig, eine klare Idee von der Bildaussage zu haben und diese dann auch darzustellen, denn sonst verkommt die lange Verschlusszeit zur bloßen technischen Spielerei oder Effekthascherei. Aber gut: Kunst ist, was gefällt. Belassen wir es dabei.

P.S.: Die Spannung steigt, denn ich habe immer noch eine neue Kamera und ein neues Objektiv zum Testen hier und werde bald darüber berichten. Aber erst dann, wenn ich ausreichend Erfahrungen damit gesammelt habe!

Life's too short for counting pixels. Go out and take exciting pictures, freeze your vision of the world around us in your very own photographs. Time is ticking away...

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