Tuesday, June 8, 2010

Was Lightroom 3 immer noch nicht kann

Der Blick zum Horizont, Deutschland 2010

Seit heute ist also nun die neue Version von Adobe Photoshop Lightroom erhältlich. Kaufen kann man sie auf der Seite von Adobe für knapp 300 Euro, das Update von älteren Versionen kostet 100 Euro. Ich habe ja schon mehrmals geschrieben, dass ich Lightroom sehr gerne nutze, und ich habe ja auch hier und hier bereits meine Lightroom-Presets für die Panasonic GF1 und für Olympus vorgestellt. Aber leider kann auch die neueste Lightroom-Version 3.0 immer noch nicht einen sehr wichtigen Schritt im Workflow: Den sogenannten "Softproof".

Mit Softproof ist eine Simulation gemeint, die auf dem Bildschirm annähernd zeigt, wie ein Bild später ausgedruckt auf Papier aussehen wird. Dazu muss die entsprechende Software das Profil des kalibrierten Druckers berücksichtigen können, und entsprechend auch die Papierfarbe simulieren. Dieser letzte Schritt vor dem Ausdruck ermöglicht es, gemäß der voraussichtlichen Wiedergabe eines speziellen Druckers die Kontraste und Farben im Foto zu optimieren. Damit hat man dann die bestmögliche Kontrolle über das spätere Papierbild, womit sich eine Menge Zeit, Geld und Nerven sparen lassen, denn mit Hilfe eines solchen Softproofs lassen sich umständliche Testausdrucke nach dem Prinzip "Trial-and-Error" vermeiden.

Gut, die meisten Anwender nehmen eben entweder das, was ihr Drucker so hervorbringt, und geben sich damit zufrieden, oder schicken ihr Fotos zum Bilderdienst, wo diese dann von einer Automatik angepasst und meistens ganz ordentlich ausgedruckt werden. Aber gerade Bilder wie das meines heutigen Blogposts kommen dabei oft überhaupt nicht gut heraus, weil es hochgesättigte Farben (hier: Blau und Grün) und Farbverläufe gibt, und zusätzlich die diffenrenzierten Schattierungen der Wolken. Hier bringen die meisten Drucker mit Standardeinstellungen nicht den optimalen Kontrastumfang oder es entsteht ein unschöner Farbstich. Um dies zu vermeiden, bieten auch gute Bilderdienste die Möglichkeit, ein Farbprofil der dort benutzten Maschinen herunterzuladen, um damit selbst per Softproof sehen zu können, wie das Ergebnis des gedruckten Bildes sein wird, bevor man den Auftrag erteilt. Sehr praktisch besonders bei teuren Großformatdrucken!

Vorraussetzung für eine solche Bearbeitung und Beurteilung per Softproof ist natürlich, dass man sein Farbmanagement im Griff hat, und der Workflow stimmt. Das bedeutet konkret, dass der Monitor profiliert sein muss, was ich mit dem Colorimeter Quato iColor Display (Silver Haze Pro) mache. Sonst zeigt der Bildschirm nämlich gar nicht die wirklichen Farben des Fotos an, und man passt in seinen Bearbeitungsschritten das Bild so an, dass es nur auf diesem einen Monitor gut aussieht! Die meisten Hersteller geben ihren Bildschirmen seltsame Voreinstellungen mit, und außerdem ändert sich die Farbdarstellung und die Leuchtkraft eines Monitors mit dem zunehmenden Alter, sodass man auch immer wieder neu profilieren muss. Außerdem sollte sämtliche beteiligte Software Farbmanagement beherrschen, d.h. das Monitorprofil berücksichtigen können. Vielleicht mache ich dazu auch noch einmal in Zukunft einen Blogpost, der mein komplettes Farbmanagement verdeutlicht, mal sehen. Bis dahin bietet Euch das Internet aber mehr als genug Lesestoff, wenn Ihr nach den passenden Stichwörtern sucht.

Nun gut, in vielen Fällen reicht es zwar, auch ohne Softproof "irgendwie" seine Bilder auszudrucken bzw. ausbelichten zu lassen, aber wie helfe ich mir, wenn ich dann doch in einem Workflow mit Farbmanagement aus Lightroom heraus einen Softproof machen möchte? Die erste Möglichkeit besteht natürlich darin, das "große" Photoshop CS zu kaufen, was mal eben läppische 1000,- Euro kostet (oder als Studentenversion immerhin auch noch 200,- Euro). Die andere Möglichkeit (und meine persönliche Alternative) besteht darin, ein bereits vorhandenes Photoshop Elements durch ein kleines Zusatzprogramm Softproof-fähig zu machen. PS Elements kann zwar scheinbar von Hause aus keinen Softproof, aber die Funktionen dazu sind nur "versteckt", da Elements auch Routinen vom großen Bruder CS benutzt. Eine Software namens "Elements+", die lediglich 12 US-Dollar kostet (umgerechnet ca. 14 Euro inkl. MwSt.) schaltet neben dem Softproof auch noch andere schöne Funktionen von Photoshop CS in Elements frei, wie z.B. beim Arbeiten mit Gradationskurven, Ebenen, Masken, Smart-Objekten, Skripten usw.

Das ist also mein Workflow, wenn es zum Softproof kommt: Ich öffne aus Lightroom heraus eine Kopie des betreffenden Fotos in meiner uralten Version 4.0 von Photoshop Elements (Gratisbeigabe zu irgendeiner Kamera oder so), und führe dann mit Hilfe der Elements+ Zusatzfunktion den Softproof durch, den ich entsprechend meinem Druckerprofil und mit Tiefenkompensierung und Simulation der Papierfarbe eingerichtet habe. Ich lasse mir die Vorschau des Softproofs anzeigen und verändere mittels Farb- und Kontrastkorrekturen das Foto so, dass der Proof gut aussieht, d.h. dass das Bild dann so aus dem Drucker kommt, wie ich es haben möchte. Je nach Drucker können diese Anpassungen recht umfangreich ausfallen, denn so ein Drucker hat meist einen völlig anderen Farbraum als mein Bildschirm, d.h. vor allem bei hoch gesättigten Farben haben die meisten Drucker Schwierigkeiten. Ach ja, die Farbprofile für meine Drucker erstelle ich übrigens mit einem Colorimeter "Datacolor Spyder Print".

Fazit: Schade, dass die neue Version von Lightroom immer noch keinen Softproof beherrscht. Dann könnte ich nämlich wirklich so gut wie alles nur noch in Lightroom machen, ohne erst umständlich ein anderes Programm zusätzlich öffnen zu müssen.

Da fällt mir noch ein: Beteiligt Euch doch bitte noch an der aktuellen Umfrage zu den mFT-Kameras, falls Ihr es noch nicht getan habt. Sie läuft nur noch bis morgen um 23:55 Uhr!

Do you know why the guys at Adobe haven't built in Soft-Proofing into Lightroom yet? Colour management can be a hassle, but it's a must-have when you want to have real control over your prints.

12 Comments... ->:

  1. Hallo,

    der Softproof fehlt mir auch sehr. Aber mich ärgert insbesondere, dass das AVCHD-Format (z.B. der GH1) nicht den Weg in die finale Version geschafft hat (die GH1 ist eine der 3 großen HD-DSLR) und das es die Funktionen "Auto-Farbton" und "Auto-Farbe" aus Photoshop nicht in LR3 integriert worden sind (CS5 schafft damit - nach Farbraumfestlegung - ganz vernünftige reale Farben bei 80% meiner Fotos zu reproduzieren)

    Grüße

    ReplyDelete
  2. Hallo, Alex,
    tja, leider verfolgt Adobe wohl eine Produktpolitik, die darauf ausgerichtet ist, dass man gezwungen werden soll, das große Photoshop CS zu kaufen... Ich persönlich finde das nicht gut, und ich denke auch, dass das auf lange Sicht nicht gut geht. Adobe tut sich damit keinen Gefallen, weil immer weniger Leute bereit sein werden 1000,- Euro für CS auszugeben. Und selbst Lightroom finde ich teuer. Aber leider gibt es (noch!) keine ernsthafte Konkurrenz. Oder?
    Gruß
    Leo

    ReplyDelete
  3. Hallo Leo,

    zumindest am Mac gibt es eine kostenlose Alternative: das Programm Vorschau (und das hat ja wohl jeder Macianer auf seinem Rechner). Den Softproof aktiviert man unter Darstellung > Softproof mit Profil.

    ReplyDelete
  4. Kleiner Seitenblick: Bibble - mein "RAW-Favorit" kann Softproofing seit der neuen Version 5 :) Muss es immer Lightroom sein? :)

    ReplyDelete
  5. Hallo, Mike,
    das kenne ich leider nicht, weil ich immer noch auf einem Windows-Rechner arbeite. Danke trotzdem für den Hinweis. Nur so noch aus Neugier: Kann das Programm auch im Softproof eine Tiefenkompensation machen und die Papierfarbe simulieren?
    Gruß,
    Leo

    ReplyDelete
  6. Hallo, Henning,
    Bibble kenne ich nicht, ich benutze schon sehr lange Lightroom und habe es (bis auf die genannten Kritikpunkte) irgendwie lieb gewonnen.
    Könntest Du uns hier einen Weblink geben, wo man ein aussagekräftiges Review von Bibble findet? Vielleicht kannst Du dann ja einige Leser überzeugen...
    Ach ja, und auch an Dich die Frage: Kann das Programm auch im Softproof eine Tiefenkompensation machen und die Papierfarbe simulieren?
    Danke und Grüße
    Leo

    ReplyDelete
  7. Vorsicht!
    Seit ich den Link zu elements+ in dem Text benutzt habe, kann ich kein "at"-Zeichen mehr eingeben, es öffnet sich immer die Webseite von quicksotres.eu. Scheint ein Virus zu sein!
    Viele Grüße
    Ulf

    ReplyDelete
  8. Hallo, Ulf,
    nein, das liegt sicher nicht an dem Link und auch nicht an der Website von Elements+, da musst Du Dir was anderes eingefangen haben!
    Kann ja sein, dass bei Dir zufällig zur ähnlichen Zeit einn andere Malware aktiv geworden ist, aber es liegt definitiv nicht an meinem Link oder an der Website. Selbst die Computerzeitschrift "ct" empfiehlt in ihrer neusten Foto-Ausgabe Elements+ und die ct ist nun wirklich seriös.
    Viel Erfolg bei der Virensuche, lass uns hören, wenn wieder alles bei Dir läuft!
    Gruß
    Leo

    ReplyDelete
  9. Hallo Leo,
    habs gefunden, hatte sich in der gleichen Sitzung ein kleines Desktopprogramm eingenistet, das @ als Hotkey hatte, wie fies.
    Beim 2. Versuch ging auf der Seite von elements+ alles glatt.
    Ich ziehe also meine Warnung zurück.
    Du kannst meine Nachrichten gern löschen, will dein schönes Blog nicht stören...
    Gruß
    Ulf

    ReplyDelete
  10. Hallo, Ulf,
    kein Problem, danke für die Rückmeldung. Ich wäre natürlich zusätzlich an Deinen Erfahrungen mit Lightroom / Elements+ / Softproof interessiert!
    Gruß
    Leo

    ReplyDelete
  11. noch ein Nachtrag zu Softproofing: mittlerweile gibt es ein Softproof-Plugin für Lightroom 2 und 3. Mehr: http://mikeschelhorn.de/wordpress/?p=1253

    Gruß,

    Mike

    ReplyDelete
  12. Hallo, Mike,
    und danke für Deinen Hinweis! Leider fehlt mir gerade die Bearbeitung des Bildes bei aktiviertem Softproof, und genau das kann man mit dem Plugin ja nun auch nicht.
    Gruß,
    Leo

    ReplyDelete

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...