Thursday, July 8, 2010

Umfrage: Faktoren für ein gutes Foto?

Der entscheidende Moment, Costa Rica 2007

Update: Die Ergebnisse dieser Umfrage finden sich mittlerweile in diesem Post!

In der neuen Umfrage, die seit kurzer Zeit läuft, möchte ich Euch fragen: Was haltet Ihr persönlich für die wichtigsten Faktoren für ein gutes Foto? Sind es eher die Technik und die Ausrüstung, oder ist es das, was Fotograf oder Betrachter in das Bild "hineinsehen"? Kann man vielleicht sogar gute Fotos planen? Und worauf achtet Ihr denn, wenn Ihr Fotos macht? Meiner Ansicht nach lohnt es sich, dass wir uns damit beschäftigen, zumal ja für die meisten von uns wahrscheinlich bald ein Sommerurlaub ansteht, in dem sicher auch viele Bilder produziert werden.

Zwei Dinge, die sicher auch wichtige Faktoren darstellen können, habe ich in meinen Antwortmöglichkeiten zur Umfrage bewusst ausgeklammert: 1. Der Zufall und 2. Die elektronische Bildbearbeitung. Zufall oder Glück spielen nämlich sehr oft eine Rolle, nicht alles läßt sich planen. Andererseits wollen wir es uns ja wohl nicht so leicht machen und sagen, dass wir Fotografen es nur auf den Zufall ankommen lassen wollen! Das wäre meiner Meinung nach viel zu simpel. Ich freue mich zwar, wenn ich mal durch pures Glück unverhofft ein gutes Foto erhalte, aber mein Ziel ist es immer, nicht davon abhängig zu sein, sondern meine Bilder bewusst zu gestalten, und zu analysieren, warum ein bestimmtes Foto "funktioniert" oder eben nicht. Den zweiten Punkt, die elektronische Bildbearbeitung am Computer, habe ich als Faktor für ein gutes Foto nicht aufgenommen, da meiner Meinung nach bei zuviel Bildbearbeitung von "Foto" gar nicht mehr die Rede sein kann. Dies habe ich bereits in einem früheren Post ausführlich diskutiert. Ich spreche eben in meiner Umfrage wirklich von Fotos und nicht von "digitalen Kunstwerken", wobei hier "Kunst" im Sinne von "künstlich" gemeint ist... Aber nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Wenn ein Foto digital entstanden ist, gehört ganz legitim eine passende Bearbeitung hinzu, aber meiner Meinung nach sollte sich diese auf einige wesentliche Elemente beschränken, wie z.B. das Bild leicht beschneiden, den Weißabgleich korrigieren, Kontrast und Tonwerte anpassen, feines Nachschärfen usw.

Ist denn das Aufmacherbild dieses Posts ein gutes Foto? "Entscheidender Moment" ist natürlich entliehen vom berühmten französischen Fotografen Henri Cartier-Bresson, der diesen Begriff maßgeblich geprägt hat. Für ihn musste in vielen Fotos genau der entscheidende Augenblick getroffen sein, sonst konnte das Wesentliche der Situation nicht erfasst bzw. dargstellt werden. Ich habe dies auf meiner Reise nach Costa Rica 2007 versucht, als ich mit meiner Nikon D70s in einem schaukelnden Boot saß. Wir waren den ganzen Tag lang durch das Labyrinth der Kanäle von Tortuguero geschippert und hatten geschwitzt ohne Ende. Das Klima dort ist für einen Mitteleuropäer wirklich schwer erträglich: 30 Grad Celsius im Schatten, dafür aber auch noch 95% Luftfeuchtigkeit. Der Regenwald fordert schon eine gewisse Leidensfähigkeit! Das kennen wir sonst nur aus dem Tropengewächshaus. Gut, dass die Ausrüstung alles ohne Defekt gemeistert hat. Irgendwann abends wies uns unser Bootsführer auf Geräusche in den Baumwipfeln hin, die von "spider monkeys" (deutsche Bezeichnung: Klammeraffen) stammen mussten, die von Baumkrone zu Baumkrone springen und so auch die Kanäle überqueren.

Natürlich baten wir ihn sofort, das Boot so zu positionieren, dass wir einen Blick auf dieses Spektakel bekommen können. Dies stellte sich natürlich als nicht ganz so einfach heraus, aber schließlich schaffte er es, als sich nämlich eine Familie von mehreren Affen nacheinander über den Kanal bewegte, auf dem wir gerade fuhren. Ich hatte bei den ersten Geräuschen bereits versucht, meine Kamera passend einzustellen: Ich fotografiere so gut wie immer mit Blendenvorwahl (d.h. automatischer Zeitberechnung durch die Kamera), also ging ich auf Offenblende und ISO 800, um eine möglichst kurze Verschlusszeit zu erhalten, und damit Verwacklungen durch das Boot und Unschärfen durch die Bewegung des Affen auszuschließen. Beim Blick durch den Sucher zeigte sich, dass die Kamera beim Anvisieren des Himmels und der Baumwipfel Zeiten um 1/1000 Sekunde errechnete. Das dürfte reichen, dachte ich, und wollte noch etwas Belichtungskorrektur zugeben (+2/3 Blenden vielleicht), weil ich ja gegen den hellen Himmel fotografierte und die Kameras dann meist unterbelichten, da sie darauf ausgerichtet sind, alles neutral grau zu belichten. Aber es war schon zu spät für weitere Einstellungen, die Affen sprangen einer nach dem anderen, ich machte schnell ca. 10 Fotos, wovon nicht einmal die Hälfte überhaupt einen Affen zeigten, so schnell ging das! Von den übrigen Bildern waren zwei brauchbar und dieses eine hier gezeigte meiner Meinung nach das Beste. In der Nachbearbeitung habe ich es in den Tiefen etwas aufhellen müssen, ich habe ein bisschen uninteressanten Rand weggeschnitten, die Farben angepasst und nachgeschärft.

Zwar bin ich stolz auf dieses Foto, aber vor meinem geistigen Auge habe ich ein noch besseres: In diesem Traumbild sieht man den Affen völlig losgelöst von den grünen Zweigen frei im blauen Himmel fliegen, und die Ästen ragen lediglich ein kleines Stückchen rechts und links ins Bild, um den Rahmen für den Flug zu geben. Aber für diesen Moment war meine Kamera zu langsam, vielleicht könnte ich es mit einer superschnellen modernen Spiegelreflexkamera wiederholen. Andererseits ist es schwer, so ein Foto zu wiederholen, unser Bootsführer meinte damals, genau zur passenden Zeit am passenden Ort zu sein, um schön unter den Affen in den blauen Himmel zu fotografieren, wäre nicht beliebig wiederholbar, wir hätten schon sehr viel Glück gehabt.

Ach ja, hier noch die Auswertung der letzten Umfrage. Mich wundert ja nicht, dass die Pen E-PL1 klar auf dem ersten Platz ist, schließlich haben wahrscheinlich gerade die Leser meines Reviews der PL1 diese entweder direkt danach gekauft, oder einige Neubesitzer sind bei ihren Recherchen zu Tipps und Tricks zu ihrer neuen Kamera auf meiner Seite gelandet. Die Panasonic GF1 ist sicher aus einem ähnlichen Grund auf dem zweiten Platz gelandet, da ich sie erstens ebenfalls getestet hatte (GF1 Test), und da sie zweitens einfach schon eher lieferbar war, und viele Fotografen, die an einer kleinen tragbaren Lösung interessiert waren, direkt zugegriffen hatten. Die anderen PENs haben keinen eingebauten Blitz, weshalb viele lieber gewartet hatten, und die übrigen Kameras von Panasonic sind entweder zu neu oder haben durch den eingebauten Sucher und die damit verbundene größere Bauform nicht soviel Zuspruch gefunden.

Wie auch immer, ich hatte ja schon angekündigt, dass ich mich jetzt zunehmend mehr mit den Fotos beschäftigen will und weniger mit der Ausrüstung. Und dazu möchte ich auch Euch, liebe Leser, einladen! Die meisten von Euch haben sicherlich auch schon die passende Ausrüstung für den Sommer zusammen, also lasst uns nun schauen, wie gute Fotos aussehen und wie sie zustande kommen. Schreibt mir Eure Meinung dazu in die Kommentare und nehmt an der Umfrage teil! Ihr könnt mir auch gerne Anregungen und Wünsche mitteilen, was Ihr als nächstes sehen und lesen möchtet. Gerne könnt Ihr auch einen Link zu Eurem Lieblingsfoto in die Kommentare posten, oder einen Link zu einem Foto, was für Euch ein gutes Foto darstellt, bei dem Ihr sagt: "Wow, das funktioniert einfach!" Zusätzlich verspreche ich Euch jetzt schon, dass in den nächsten Tagen eine Überraschung auf Euch wartet, ich werde ein Geschenk für Euch bereithalten, Ihr dürft gespannt sein...

Stay tuned for an exciting surprise! It's all about photos, you know. See you soon on this blog!

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