Thursday, September 30, 2010

Nachlese zur Photokina!

Opa kommt gleich wieder, Deutschland 2010

Nein, dieses Foto habe ich in keinem Museum gemacht. Es war ein Pensionszimmer, in dem ich während einer Mehrtages-Wanderung übernachtet habe. Und auch die weiteren Fotos in diesem Post sind genau aus diesem Zimmer oder aus direkter Nähe des Hauses. Was das mit der Photokina zu tun hat? Nun ja, um es gleich vorweg zu nehmen: Meiner Meinung nach gibt es kaum interessante Neuigkeiten in der weiten Welt der Fotografie, die es zu berichten lohnt.

Gut, es gab vielleicht ein paar neue Kameras mit ein paar hübschen neuen Funktionen, HDR und 3D heißen wohl die neuesten "Trends", aber das überzeugt mich alles nicht. Auch die neuen Objektive von einigen Spiegelreflex-Herstellern sind zwar ganz nett, aber etwas wirklich revolutionäres ist nicht dabei. Sicher, noch ein paar neue Kameras mit neuen Sensoren, aber das waren ja wohl alles nur ein paar "Hüpferchen", und wahrhaftig keine Quantensprünge.

Was zählt, das sind letztendlich ja immer noch die Fotos, und nach meinem Geschmack sollen die bitte schön nicht durch zu viel Software gedreht und künstlich aufgehübscht werden. Klar, jetzt höre ich schon wieder alle sagen "Jedes Foto ist doch manipuliert, war doch früher bei der analogen Filmentwicklung auch so, man kann doch gar kein Bild machen, ohne seine eigene Sicht der Dinge hineinfließen zu lassen!" Das ist sicher richtig, aber das heißt ja noch lange nicht, dass dann alles erlaubt ist, und dass man es erst gar nicht versuchen sollte, das was man sieht möglichst wahrhaftig auf ein Foto zu bannen.

Darum plädiere ich dafür, dass wir ab sofort unterscheiden zwischen "Fotografie" und "Pixeldesign". Für mich ist Fotografie auch im digitalen Zeitalter folgendes: Ich mache mit einer Kamera ein Bild ohne Verfremdungen oder "Verbesserungs-Algorithmen", passe vielleicht per Software am Computer im RAW-Konverter die Belichtung, den Kontrast und die Farben so an, dass sie meiner Wahrnehmung entsprechen, und bringe schließlich das Foto auf Papier. DAS ist FÜR MICH Fotografie. Wir Menschen leben schließlich gegenständlich und brauchen Dinge zum Anfassen, und nicht nur "virtuelle Realität". Diese virtuelle Realität, insbesondere das Internet, hat seine Daseinsberechtigung, aber man sollte das alles nicht zu hoch einschätzen. Vieles davon ist sehr flüchtig, schnell erstellt und wieder gelöscht, wenig verläßlich. In einem gedruckten Foto oder einer echten Unterhaltung über ein fotografisches Thema steckt mehr Substanz als in fast allen Internetforen zusammen. Fragen wir uns doch mal: Was ist denn wirklich das Wesentliche an der Fotografie? Können wir denn nicht auf fast alle Spielereien an den neuen Kameras verzichten? Machen wir damit wirklich bessere Fotos? Macht es wirklich mehr Spaß, immer neue Knöpfchen und Funktionen zu haben? Kurzfristig vielleicht, aber auf lange Sicht?

Warum ich das alles schreibe, hier im Internet, was ich ja gerade so verdammt habe? Ganz einfach: Hier erreiche ich vielleicht einige von Euch, die nicht der Herde der Technikverliebten hinterher laufen wollen. Na gut, eigentlich gehöre ich auch ein bisschen zu diesen Hightech-Junkies, aber ich versuche, von der Sucht los zu kommen, denn ich merke, das mich das fotografisch überhaupt nicht weiterbringt.

Was mich in letzter Zeit fotografisch einen Schritt nach vorne gebracht hat: Ich habe alle Gerätschaften verkauft, ausnahmslos alle, bis auf eine Kamera und ein Objektiv. Nur die Olympus PEN E-PL1 und das Panasonic Pancake 20mm F1.7 habe ich behalten. Was für eine Befreiung! Kein hin und her mehr mit den Objektiven oder den Kameras! Absolut minmales Geschleppe, ein Kamera-Rucksack ist damit überflüssig geworden! Endlich kann ich mich voll und ganz auf das Fotografieren konzentrieren! Und die technische Qualität der Bilder ist einwandfrei, also habe ich den Kopf frei für die bewusste Gestaltung meiner Fotos. Halt, natürlich weiß ich, dass ich damit nicht ALLE Fotos machen kann. Wer sich in der Ausrüstung beschränkt, beschränkt auch die fotografischen Möglichkeiten. Aber in der freiwilligen bewussten Beschränkung liegt ja gerade der Schlüssel darin, sich einen Bereich zu eigen zu machen und dort besser zu werden. Ich bin lieber in einem kleinen Bereich gut und dort zufrieden, als dass ich vergeblich versuche, ÜBERALL und IMMER und in jeder Situation ein tolles Foto machen zu können. Fotografieren lernen heißt sehen lernen, und manchmal schaue ich auch gerne einfach nur in der Gegend herum, genieße die Stimmung und mache kein Foto.

Bitte nicht falsch verstehen, wer gerne Wildlife fotografiert, der muss natürlich das passende Werkzeug haben, in dem Fall ein gutes Teleobjektiv usw. Das hatte ich auch letztes Jahr in Namibia. Aber viele Fotografen machen wie ich auch Bilder von Landschaften, Menschen, alltäglichen Situationen, und wofür braucht man dabei von Anfang an mehrere Objektive? Aber gut, ich höre jetzt erstmal auf... Ich glaube es ist klar geworden, worauf ich hinaus wollte, oder?

Sagt bitte nicht: "Jaja, das ist ja bloß die übliche Phase, jeder Fotograf zieht irgendwann mal nur mit einer Festbrennweite herum und hält sich für Cartier-Bresson oder wer weiß wen! Das geht vorbei, lasst ihn mal machen." So einfach ist das nicht. Probiert es mal aus, dann wisst Ihr, was ich meine.

Was fehlt uns also, was ich auf der Photokina nicht gesehen habe? Ich persönlich hätte gerne eine Kamera mit größerem Chip als Four-Thirds, damit ich mit geringerer Tiefenschärfe und noch höherer Detailfülle Fotos gestalten kann. Dazu würde ich dann eine lichtstarke Festbrennweite mit F1.4 im Brennweitenbereich zwischen 35 und 50 mm nehmen. Gibt es schon? Ja klar, schon lange, nur mit ein paar schwerwiegenden Fehlern! Ich nehme mal direkt das sogenannte Vollformat mit Sensoren im Format 24x36mm, denn das APS-C Format ist auch kaum besser als Four-Thirds. Die herkömmlichen Spiegelreflexkameras mit Vollformat-Sensoren sind einfach noch viel zu groß und zu schwer! Und die Leica M9 ist viel zu teuer und hat keinen Autofokus! Statt irgendwelche neuen Gimmicks und Linsen und 3D und Schnickschnack zu produzieren, sollten meiner Meinung nach die Hersteller mal eine wirkliche Herausforderung annehmen: Ein System mit Vollformat-Kameras und passenden Objektiven, das insgesamt möglichst klein und handlich ist, darüber hinaus deutlich weniger als ein Kilogramm wiegt (Kamera plus Objektiv), das schlicht und gut zu bedienen ist, und das natürlich nicht zu teuer ist.

Alles unmöglich, weltfremde Träumerei? Nein, ganz sicher nicht! Die Hersteller müssen nur wollen... Es gibt Schritte in die richtige Richtung: Die Fujifilm FinePIX X100. Aber leider hat sie doch nur den APS-C Sensor und kein Wechselbajonett. Aber immerhin die übrigen Daten lassen aufhorchen! Schaut sie Euch mal an, meiner Meinung nach die einzige spannende Neuerung auf der Photokina. Ich hoffe, diese Kamera gibt es bald zu kaufen. Tja, und bis dahin behalte ich meine PEN PL1 und träume davon, dass die Kamerahersteller endlich aufwachen, und nicht nur als einzige kurzsichtige Strategie haben, den Massenmarkt mit Bluetooth-GPS-3D-WLAN-HDR-Beamer-Zweidisplay-Klickibunti-Kameras zu übersättigen.

Congratulations! You've read this long post and finally made it to the end. Now shut down your computer, take your camera and take photos! But always remember: Keep it simple!

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